Acarichthys heckelii!
UPD: 01.04.09
Autor & Copyright: Heinz Morche (D 53 3646), Bericht aus "DCG-Info 24(4) 1993" Seite 76-79 DCG
Acarichthys heckelii
Acarichthys heckelii ist in seiner Heimat Amazonien ein weit verbreiteter Cichlide. Trotz dem findet man in der deutschsprachigen Literatur kaum etwas über diesen schönen Buntbarsch, weshalb ich meine Erfahrungen mit ihm hier weitergeben möchte. Im März 1992 bekam ich von einem befreundeten Aquarianer "Wildfangnachzuchten", ein Männchen (zwölf) und zwei Weibchen (acht Zentimeter groß), wobei einem der Weibchen leider die rechte Bauchflosse fehlte. Aufgrund der schlanken Gestalt vermutete ich, daß die Eltern aus Peru stammten (Kullander 1986). Nachdem aus Platzmangel die Acarichthys mehrmals von einem ins andere Aquarium umgesetzt worden waren, bezogen sie schließlichm ein 580 Liter fassendes Wohnzimmeraquarium, das ich extra für sie neu herrichtete.

Da Acarichthys heckelii ein monogamer Höhlenbrüter sind, muß man der Größe der Tiere entsprechend Heöhlen in die Unterwasserlandschaft einbauen. Ein handelsübliches großes Bonbonglas und ein Drainagerohr (25 Zentimeter lang und neun Zentimeter Durchmesser) erschienen mir dafür am besten geeignet. Mit etwas Geschick lassen sich solche Höhlen gut tarnen, so daß sie dem Betrachter kaum ins Auge fallen. Als Bodengrund wählte ich groben Sand, damit die Acarichthys ihn bei der Nahrungsaufnahme durchkauen konnten. Die übrige Dekoration bestand aus vielen Moorkienwurzeln, Lavasteinen und einigen großen Pflanzen. Schwimmpflanzen zur Dämpfung der Beleuchtung rundeten die Sache ab.
Ihr neues Zuhause teilten sie sich mit drei braunen Diskus, zwei Pärchen Laetacaras p. und einer Gruppe Biotodoma. Solche oder ähnlich ruhige Mitbewohner sind zu empfehlen, weil auch die Acarichthys, trotz ihrer Größe, ausgesprochen "Leisetreter" sind.
Im Laufe von sieben Monaten und bei wöchentlichen Teilwasserwechseln, etwa ein Drittel des Beckeninhaltes, wuchsen die Acarichthys, das Männchen auf 18, die Weibchen auf 15 und 12 Zentimeter Länge, gut heran. Besonders das Männchen zeigt jetzt seine ganze Schönheit und schimmert in den prächtigsten Farben. Die Grundfarbe ist hinter dem Kiemendeckel Orangebraun; dem schließen sich blaugrün irisierende Schuppenreihen an. In der Körpermitte liegt ein schwarzer Seitenfleck, der bei dominierenden Tieren besonders stark hervortritt. Die ersten schwarzen Hartstrahlen der Rückenflosse stehen in schönem Kontrast zu den hinteren, rot verlängerten Weichstrahlen. Die Bauchflossen sind rotblau, die Schwanzflosse, die Afterflosse und der hintere untere Teil der Rückenflosse zeigen blaugrün glänzende Punkte. Im Kopfbereich fällt die vom unteren Augenrand senkrecht verlaufende schwarze Binde auf. Das Auge ist im vorderen oberen Teil der Iris rot gefärbt; auch die Lippen zeigen einen rosa Schimmer.
Doch damit genug der Schwämerei und zurück zum Geschehen. Nach dem Einsetzen der Acarichthys bezog das kleinere Weibchen, dem die rechte Bauchflosse fehlte, das Bonbonglas und räumte es nach Erdfressermanier aus. Das Männchen und das andere Weibchen begnügten sich damit, den Bodengrund durchzukauen. Die zweite Höhle, das Drainagerohr, wurde kaum beachtet. Nach guter Fütterung, überwiegend mit gefrosteten schwarzen Mückenlarven und Artemien, denen ich einen Multivitamin-Komplex beigab, zeigten die Weibchen Laichansatz, was gut an den vorstehenden Genitalpapillen zu sehen war. Beide Weibchen "baggerten" jetzt mehr als sonst im Bodengrund, wobei auch einige Pflanzen an "Auftrieb" gewannen. Das Männchen beteiligte sich, indem es mit den Weibchen abwechselnd im Sand wühlte und kräftig beim Umdekorieren half. Dem kleineren Weibchen gefiel das auf die Dauer jedoch nicht, und es störte seine Konkurrentin immer öfter beim Graben, sobald es vom Männchen allein gelassen wurde. Immer wieder setzte es Rammstöße in die Flanken, bis es schließlich zum Maulkampf kam. Mit abgespreizten Kiemen und Flossen standen sich die Fische in der Mitte des Aquariums gegenüber und verbissen sich ineinander. Das kleinere Weibchen erwies sich auch hier als wesentlich aggressiver und schlug die Gegnerin in die Flucht. Die stellte das "Baggern" ein und verzog sich ins Grüne. Der Kampf um das Männchen, das sich bis dahin neutral verhielt, war entschieden.
Von nun an widmete es sich nur noch dem stärkeren Weibchen,das immer öfter seine Höhle aufsuchte und andere Fische verjagte, das Männchen jedoch durch Führungsschwimmen zur Höhle lockte. Nach vier Tagen zeigte das Weibchen eindeutig Balzverhalten: Es stand mit weit hervorgetretener Legeröhre aufgeregt tänzelnd über dem Höhleneingang quer vor dem Männchen und suchte immer wieder die Höhle auf, in die auch das Männchen in immer kürzeren Abständen einschwamm. Schließlich legte das Weibchen rund 400 Eier an die Höhlendecke, die vom Männchen besamt wurden. Danach stand das Weibchen flossenfächelnd in der Bruthöhle und bewachte das Gelege. Das Männchen übernahm die Revierverteidigung, die sich besonders gegen das überzählige Weibchen richtete, das es regelrecht suchte, um es dann durch das ganze Aquarium zu jagen. Die Nacht verbrachte das Männchen in typischer Nachtfärbung vor der Höhle, aus der manchmal der Kopf des Weibchens schaute. Am dritten Tag nach dem Ablaichen begann das Weibchen, Sand in die Bruthöhle zu transportieren; warum, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht sollte der Sand den Jungfischen als Tarnung dienen, oder er enthielt kleinste Partikel, die ihnen als Nahrung zugefächelt wurden.
Nach drei weiteren Tagen schwammen viele kleine Acarichthys vor der Bruthöhle, die von ihren Eltern streng bewacht wurden, ein herrlicher Anblick! Jungfische, die sich zu weit entfernten, wurden mit dem Maul wieder eingesammelt und in den Schwarm zurückgespuckt. Nach Stunden verteilten sich die Kleinen aber im ganzen Aquarium, so daß sie eine leichte Beute vor allem der Diskusfische wurden. Die Eltern waren mit dem Zusammenhalten der Brut und der Revierverteidigung einfach überfordert. Deshalb saugte ich vorsichtshalber etwa 100 Jungfische ab, um sie getrennt aufzuziehen.
Am Abend hatte das Weibchen höchstens noch 80 Jungfische in der Nähe der Bruthöhle; der klägliche Rest verteilte sich auf den Bodengrund. Nach dem Abschalten der Beleuchtung schwamm das Weibchen in die Bruthöhle. Ich konnte aber nicht beobachten, daß ihm die Jungen folgten. Als ich am anderen Morgen die Beleuchtung wieder einschaltete, war alles vorbei; kein einziger Jungfisch war mehr zu sehen. Obwohl ich damit gerechnet hatte, war ich etwas enttäuscht. Vielleicht müssen meine Acarichthys heckelii einfach noch üben, und sie lernen es noch, eine Brut selbst großzuziehen. Die Wasserwerte in meinem Wohnzimmeraquarium betragen pH 6,1 bis 6,5, KR 0 Grad, GR 3 Grad, Leitwert 250 Mikrosiemens/Zentimeter. Die Temperatur beträgt 20 Grad Celsius. Diese Werte sind sicher günstig, aber nicht unbedingt erforderlich. Die Acarichthys laichten auch in normalem Bonner Leitungswasser(pH 6,2, KH 4 Grad, GH 8 Grad, 360 Mikrosiemens/Zentimeter) in einem Drainagerohr. Das Weibchen legte seine Eier an die Röhlendecke, das Licht ging aus, und da waren auch noch einige nachtaktive Welse der Gattung Peckoltia, die . . . Naja, Sie wissen schon. Aus niedrigen Beweggründen "vergaß" ich am kommenden Abend die Extraportion Futtertabletten; man soll seine Fische ja schließlich nicht überfüttern.
Autor & Copyright: Heinz Morche (D 53 3646), Bericht aus "DCG-Info 24(4) 1993" Seite 76-79 DCG
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